HPV-Impfung

Zusammenfassende Empfehlung:
  • Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) empfiehlt die generelle Impfung gegen humane Papillomviren (HPV) für Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahren.
  • Die Frage der Notwendigkeit einer Wiederimpfung kann derzeit noch nicht beantwortet werden.
  • Frauen, die innerhalb dieses Zeitraumes keine HPV-Impfung erhalten haben, können ebenfalls von einer Impfung profitieren.

Erreger:
  • HPV können beim Menschen Warzen, Papillome und bösartige Tumoren des Gebärmutterhalses, der Haut und des Enddarms hervorrufen.
  • HPV werden hauptsächlich über direkten Haut- oder Schleimhautkontakt übertragen; in der Mehrzahl der Fälle durch Geschlechtsverkehr.
  • In mehr als 90 % der bösartigen Tumoren des Gebärmutterhalses können HPV nachgewiesen werden.
  • Innerhalb der HPV gibt es verschiedene Untertypen: sog. Hochrisiko- und Niedrigrisiko-Typen. Zu den Hochrisiko-Typen gehören die HPV 16, 18, 31 und 45 und andere.
  • HPV 16 ist in 50 - 60 % und HPV 18 in 10 - 20 % der Gebärmutterhalskrebserkrankungen nachweisbar (zusammen also in 60 - 80 %).
  • Die Niedrigrisiko-Typen HPV 6 und 11 können Warzen im Genitalbereich verursachen. Diese beiden Typen verursachen ca. 90 % der Genitalwarzen.
  • Bis heute gibt es keine spezifische Therapie, mit der eine bereits stattgefundene und festgestellte Infektion behandelt werden könnte.


Häufigkeiten:
  • Im Laufe ihres Lebens infizieren sich ca. 70 % der sexuell aktiven Frauen mit HPV.
  • Bei 70 - 90 % der Frauen ist nach 1 bis 2 Jahren nach der Infektion kein HPV mehr nachweisbar. Die Infektion mit dem Virus führte in diesen Fällen nicht zu einer Erkrankung.
  • Bei Frauen, bei denen die Viren bestehen bleiben, kann es innerhalb von 1 bis 10 Jahren zum Auftreten von Krebsvorstufen kommen.
  • Bei einer nachgewiesenen leichter Krebsvorstufe entwickelt ca. 1 % der Frauen eine Krebserkrankung.
  • In ca. 50 % der Fälle bilden sich leichte und mäßiggradige Krebsvorstufen wieder zurück.
  • Ca. 15-20 % der unbehandelten leichten Krebsvorstufen gehen in eine schwere Krebsvorstufe über.
  • Schwere Krebsvorstufen bilden sich nur noch in wenigen Fällen zurück. Ca. 75 % der hochgradigen Krebsvorstufen entwickeln sich zeitabhängig zu einer Krebserkrankung.

    In ca. 8 - 15 % der Abstrichuntersuchungen können HPV nachgewiesen werden, wobei 74 % der Infektionen im Alter von 15 - 24 Jahren gesehen werden.
    In ca. 0,9 bis 1,3 % der Krebsfrüherkennungsuntersuchungen können Krebsvorstufen nachgewiesen werden.

Ca. 1 % der Bevölkerung ist von Genitalwarzen betroffen, vor allem zwischen dem 15. und 25. Lebensjahr.


Impfstoffe:
  • Die Impfstoffe erhalten nur ungefährliche Eiweißstoffe der Viren, also keine virale DNA, und können keine Krebserkrankung auslösen.
  • Der Impfstoff Gardasil® schützt vor den Virus-Typen 6, 11, 16 und 18 und ist seit September 2006 erhältlich.
  • Der Impstoff Cervarix® schützt vor den Virus-Typen 16 und 18. Für ihn ist die Zulassung beantragt.
  • Bei 95 % der Frauen, bei denen vor dem Impfung keine HPV nachgewiesen werden konnten, konnte durch die Impfung eine auf einer Infektion mit den HPV-Typen 16 und 18 beruhende Krebsvorstufe verhindert werden.
  • Das besagt zum einen, dass der Impfstoff nur in 95 % der Fälle funktioniert und zu anderen, dass davon nur die Krebsvorstufen verhindert wurden, die auf den Typen 16 und 18 beruhen (diese können in 60 - 80 % der Krebserkrankungen gefunden werden) und nicht die Krebsvorstufen, die auf anderen Typen oder ganz andren Mechanismen beruhen.
  • Bei Frauen, bei denen vor der Impfung keine HPV-Untersuchung durchgeführt wurde, zeigt der Impfstoff eine Wirkung gegen Krebsvorstufen lediglich in 46 %.
  • Wie lange die Immunität, d.h. die Wirkung der Impfung anhält, kann man heute noch nicht sagen. Man überblickt heute einen Zeitraum von bis zu 8 Jahren.

Nebenwirkungen:
  • Nur 0,2 % der Studien-Patientinnen brachen die Studienteilnahme aufgrund von Nebenwirkungen ab. Schwerwiegende Nebenwirkungen konnten bisher nicht beobachtet werden.
  • Als unerwünschte Wirkung traten sehr häufig (mehr als 1/10) Fieber, Schmerzen, Rötung und Schwellung an der Impfstelle auf.
  • Häufig (seltener als 1/10 aber häufiger als 1/100) traten Juckreiz und Blutungen an der Impfstelle auf.
  • Sowohl in der Impfgruppe als auch in der Kontrollgruppe trat in seltenen Fällen(zwischen 1/100 und 1/1.000) eine unspezifische Gelenksentzündung auf.
  • Selten (zwischen 1/1.000 und 1/10.000) trat eine Nesselsucht auf.
  • Sehr selten (seltener als 1/10.000) wurde ein Spasmus der Bronchien beobachtet.

    Die Anwendung in der Schwangerschaft kann noch nicht als bedenkenlos eingestuft werden.
    In der Stillzeit kann Gardasil® verabreicht werden.
    ´
Impfstrategien:
  • Es ist sinnvoll die Mädchen vor dem ersten Geschlechtsverkehr zu impfen (abgeschlossene Grundimmunisierung).
  • Auch nach Aufnahme des Geschlechtsverkehrs kann eine Impfung möglicherweise noch sinnvoll sein, auch wenn die Wirksamkeit der Impfung für Personen reduziert ist, die mit noch nicht abgeschlossener Grundimmunisierung bereits Geschlechtsverkehr hatten bzw. mit bereits mit HPV infiziert sind.
  • Eine allgemeine Impfempfehlung für alle Altersgruppen wurde daher von der STIKO nicht gegeben.
  • Ersten Geschlechtsverkehr hatten 12 % der Mädchen bereits mit 14 Jahren, 23 % der Mädchen bereits mit 15 Jahren, 47 % der Mädchen bereits mit 16 Jahren und 73 % der Mädchen bereits mit 17 Jahren.
    Um einen Fall an Gebärmutterhalskrebs zu verhindern müssen 98 Mädchen geimpft werden.
  • Berücksichtigt man eine mögliche Durchimpfung von 70 %, würde etwa jedes 140. Mädchen eines Jahrgangs von der Impfung profitieren.

Impfung:
  • Zur Grundimmunisierung sind drei Impfungen erforderlich (die zweite Impfung nach 2 Monaten, die dritte nach 6 Monaten).
  • Der Impfstoff wird intramuskulär verabreicht, vorzugsweise in den Oberarmmuskel.
  • In den ersten Tag nach der Impfung sollte über das normale Maß hinausgehende körperliche Leistung vermieden werden.
  • Nicht geimpft werden sollten Personen mit einer bekannten Überempfindlichkeit gegen die Wirkstoffe oder gegen einen der sonstigen Bestandteile des Impfstoffes.
  • Personen, die nach Gabe einer Dosis des Impfstoffes Symptome entwickeln, die auf eine Überempfindlichkeit hinweisen, sollten keine weitere Dosis erhalten.
  • Die Impfung sollte nur in einem gesunden Zustand erfolgen.
Zurück