Krebsfrüherkennung

Krebsfrüherkennungsuntersuchungen können keine Krebserkrankung verhindern, sind also daher keine Vorsorgeuntersuchungen im eigentlichen Sinn. Vielmehr geht es darum, möglichst frühzeitig eine Krebserkrankung zu diagnostizieren - noch bevor sie von sich aus durch Schmerzen oder große tastbare Befunde auf sich aufmerksam macht. Je frühzeitiger eine Krebserkrankung entdeckt und behandelt wird, desto besser sind die Heilungschancen.
Niemand weiß vorher, ob eine bestimmte Untersuchung im Rahmen einer Früherkennung ein auffälliges ("positives") Ergebnis ergibt, d.h. oder ob man diese Untersuchung braucht oder nicht. Jeder Arzt, der einerseits schon Gelegenheit hatte, früh- und rechtzeitig eine beginnende Krebserkrankung zu diagnostizieren und andererseits in der schrecklichen Situation war, bei einer Patientin einen fortgeschrittenen Krebs festzustellen, wird einer Patientin zu frühzeitigen und sinnvollen Früherkennungsuntersuchungen raten - auch wenn sie sich gesund fühlt.

Die Entscheidung, welche Untersuchungen eingesetzt werden, liegt letztlich bei der Patientin, da im Rahmen einer Krebsfrüherkennungsuntersuchung nicht alle Untersuchungen von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden.
Im Folgenden habe ich für Sie zusammengestellt, welche Untersuchungen bei den jeweiligen Krebserkrankungen sinnvoll sind und in unserer Praxis angeboten werden


Krebs des äußeren Schambereichs (Vulvakarzinom):

  • Häufigkeit: von 100.000 Frauen erkranken 2,5 Frauen pro Jahr
  • Gesetzliches Früherkennungsprogramm:
    • Betrachtung des äußeren Schambereichs und Tastuntersuchung
  • Eigene Früherkennungsmöglichkeiten:
    • keine weitere Früherkennungsmöglichkeit sinnvoll
    • Vorsorgemöglichkeit: Impfung gegen Humane Papillom Viren (mehr Informationen)
 
Scheidenkrebs (Vaginalkarzinom):
  • Häufigkeit: von 100.000 Frauen erkranken 0,4 Frauen pro Jahr
    Häufig handelt es sich um Metastasen bzw. fortgeschrittene Stadien genitaler Tumore (z.B. äußerer Schambereich und Gebärmutterhals)
  • Gesetzliches Früherkennungsprogramm:
    • Betrachtung der Scheide
    • Tastuntersuchung
  • Eigene Früherkennungsmöglichkeiten:
    • keine weitere Früherkennungsmöglichkeit sinnvoll
    • Vorsorgemöglichkeit: Impfung gegen Humane Papillom Viren (mehr Informationen)
 
Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom):
  • Häufigkeit: von 100.000 Frauen erkranken 14 Frauen pro Jahr
    Häufigkeit der Krebsvorstufen (Dysplasien) liegt 100fach höher
  • Gesetzliches Früherkennungsprogramm:
    • Betrachtung des Muttermunds
    • Pap-Abstrich
  • Eigene Früherkennungsmöglichkeiten:
    besonders sinnvoll bei
    • Infektion mit dem Humanen Papillom Virus (HPV)
    • Rauchen
    • früher Beginn der sexuellen Aktivität
    • häufig wechselnde Sexualpartner
    • mangelnde Sexualhygiene beider Partner
    • die Langzeiteinnahme der "Pille"
    • eine hohe Zahl an vorangegangenen Geburten
    • Vorstufen (Pap III, Pap III D und Pap IV a)
    • Dünnschichtzytologie (ThinPrep®) (mehr Informationen)
    • HPV-Abstrich (mehr Informationen)
    • Bestimmung des Prognosefaktors p16/Ki67 bei auffälligen Abstrichbefunden
    • Vorsorgemöglichkeit: Impfung gegen Humane Papillom Viren (mehr Informationen)

Gebärmutterschleimhautkrebs (Endometriumkarzinom):
  • Häufigkeit: von 100.000 Frauen erkranken 15 - 26 Frauen pro Jahr
  • Gesetzliches Früherkennungsprogramm:
    Frage nach Blutungsstörungen bzw. nochmaliger Blutung nach den Wechseljahren
    Abtasten der Gebärmutter
  • Eigene Früherkennungsmöglichkeiten:
    besonders sinnvoll bei:
    • Übergewicht (Adipositas)
    • Bluthochdruck
    • Diabetes mellitus II
    • frühe allererste Menstruation
    • späte allerletzte Menstruation
    • keine und nur wenige Schwangerschaften
    • polyzystische Ovarialsyndrom (PCO)
    • estrogenbildende Tumoren
    • Vaginalsonographie
      Bei dieser Ultraschalluntersuchung wir die stabförmige Ultraschallsonde in die Scheide eingeführt, so dass der innere Genital direkt und damit sehr genau eingesehen werden kann. Hierbei können Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut und der Muskelschicht frühzeitig erkannt werden. Ultraschalluntersuchungen sind weder schmerzhaft noch haben sie eine Strahlenbelastung.

Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom):
  • Häufigkeit: von 100.000 Frauen erkranken 15 Frauen pro Jahr
  • Gesetzliches Früherkennungsprogramm:
    • Abtasten des Unterbauches bei der üblichen gynäkologischen Krebsfrüherkennungsuntersuchung
  • Eigene Früherkennungsmöglichkeiten:
    besonders sinnvoll bei:
    • Kinderlosigkeit
    • Spätgebärenden
    • familiärem Risiko
    • Sonnen- und Vitamin D-Mangel
    • Vaginalsonographie
      Mit dieser Ultraschalluntersuchung können Veränderungen der Eierstöcke frühzeitig erkannt werden. Ultraschalluntersuchungen sind weder schmerzhaft noch haben sie eine Strahlenbelastung. Ich empfehle eine jährliche Vaginalsonographie ab dem 35. Lebensjahr.
      Tumormarker CA 12-5 (mehr Informationen)
      Bei der Kombination von Tastuntersuchung, Vaginalsonographie und Tumormarker-Bestimmung schließen unauffällige Befunde ein Ovarialkarzinom mit hoher Wahrscheinlichkeit aus.
      Ein auffälliger Befund bedeutet aber nicht, dass ein Ovarialkarzinom vorliegt. Es können auch gutartige und harmlose Befunde festgestellt werden.
Brustkrebs (Mammakarzinom):
  • Häufigkeit: von 100.000 Frauen erkranken 112 Frauen pro Jahr
  • Gesetzliches Früherkennungsprogramm:
    • Betrachtung und Abtasten der Brust und der Lymphabflusswege ab dem 30. Lebensjahr
    • Mammographie-Screening zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr
  • Eigene Früherkennungsmöglichkeiten:
    besonders sinnvoll bei:
    • hoher Brustdrüsendichte
    • "Pillen"-Anwenderinnen
    • Hormontherapie
    • Kinderlosigkeit
    • Übergewicht
    • Alkohol
    • frühe allererste Menstruation
    • späte allerletzte Menstruation
    • Brust-, Ovarial- oder Endometriumkarzinome in der Familie
    • Selbstuntersuchung der Brust (am besten eine Woche nach Beginn der Regelblutung)
    • Mammasonographie (Brustultraschall)
      Vor dem 50. und nach dem 70.Lebensjahr - wo kein Mammographie-Screening durchgeführt wird - ist die Mammasonographie eine sehr gute Ergänzung zur Tastuntersuchung, da mit ihrer Hilfe frühzeitig kleine Krebsherde gesehen werden können, weit bevor sie zu tasten sind.
      Zwischen dem 50. und dem 70. Lebensjahr ist die Mammasonographie eine sinnvolle Ergänzung zur Mammographie, ersetzt diese aber nicht. Manche Befunde lassen sich nicht im der Mammographie erkennen, stellen sich aber in der Ultraschalluntersuchung dar.
      Ultraschalluntersuchungen sind weder schmerzhaft noch haben sie eine Strahlenbelastung. Ich empfehle eine jährliche Mammasonographie ab dem 35. Lebensjahr.


Blasenkrebs (Blasenkarzinom): 
  • Häufigkeit: von 100.000 Frauen erkranken 8 Frauen pro Jahr
  • Gesetzliches Früherkennungsprogramm:
    keine Untersuchung vorgesehen
  • Eigene Früherkennungsmöglichkeiten:
    • Urintest (NMP22)
      in den USA von der FDA als einziger Marker für die Erstuntersuchung und die Verlaufskontrolle bei Blasenkrebs zugelassen
      besonders sinnvoll bei:
    • Kontakt mit aromatischen Aminen (Beschäftigte in der Chemie-, Stahl- und Lederindustrie sowie Zahntechnikerinnen und Friseurinnen)
    • Raucherinnen
    • chronischen Entzündungen
    • reichliche Zufuhr von Süßungsmittel, Kaffee und häufigem Schwimmen im Chlorwasser


Darmkrebs (Kolonkarzinom):
  • Häufigkeit: von 100.000 Frauen erkranken 30 - 35 Frauen pro Jahr
  • Gesetzliches Früherkennungsprogramm:
    • "Stuhlbriefchen" (Guajakbasierter Stuhlbluttest, Haemoccult):
      weist Blut im Stuhl nach (Krebs führt zu leichten und zunächst unbemerkten Darmblutungen)
      vom 50. - 55. Lebensjahr jährlich danach alle 2 Jahre, wenn keine Darmspiegelung durchgeführt wurde
      Trefferquote 20 - 40 %
      jeweils zwei kleine Stuhlproben von drei aufeinanderfolgenden Stuhlgängen notwendig
      Fleisch und Vitamin C sind Fehlerquellen
    • Darmspiegelung:
      ab dem 55. Lebensjahr
      bei unauffälliger Untersuchung 10 Jahre lang keine weiteren Untersuchungen
      Trefferquote 95 %
  • Eigene Früherkennungsmöglichkeiten:
    besonders sinnvoll bei:
    • Darmpolypen
    • übermäßige Kalorienzufuhr
    • fett- und fleischreiche Kost mit niedrigem Anteil an Ballaststoffen (insbesondere viel rotes Fleisch und Wurstwaren)
    • Rauchen
    • Bewegungsmangel
    • Immunologischer Stuhltest
      weist menschliches Hämoglobin im Stuhl nach (Krebs führt zu leichten und zunächst unbemerkten Darmblutungen)
      im Gegensatz zum Hämoccult reicht eine einmalige Probe aus und es muss keine Diät eingehalten werden
      Trefferquote 60 - 90 %
      Tumor M2-PK Test im Stuhl
      ist ein Marker für das Wachstum von sowohl Krebs als auch Polypen (häufigster Risikofaktor für Krebs) im Darm
      Trefferquote 78 - 97 %